Dönekes - Geschichten von damals & heute

Leberwurstessen

Ein Schützenverein ist qua Aufgabe und Definition zur Tradition verpflichtet. Das beginnt natürlich mit dem Tragen einer Uniform, und der Teilnahme an allen offiziellen, sichtbaren Veranstaltungen und Festen der Gesellschaft und des Großen Vereins von 1316.

Daneben gibt es aber auch gesellschaftsinterne Traditionen, die nicht minder wichtig sind zu bewahren und aufrecht zu halten. So verhält es sich auch mit unserem Leberwurstessen.

Ich zitiere an dieser Stelle unseren Ehrenhauptmann, Dieter Lang, der den Ursprung in der „schlimmen Zeit“ wußte. Ab dem Jahr 1946, als ein gewisses gesellschaftliches Leben in unserer Heimatstadt wieder möglich wurde, nahmen auch die Heimat-, und übrigen Brauchtumsvereine ihre Aktivitäten allmählich wieder auf. Unser Vereinslokal lag direkt nach dem Krieg  auf der Lambertusstraße in der Gaststätte „Hecker“, bei Gerda und Hans Cornelissen. Der Vorgänger – Bender’s Marie – war ausgebombt.  

Not und vor allem Hunger waren noch immer an der Tagesordnung. Unser Kamerad Willi Heimanns, Metzgermeister von Beruf, sollte die spätere Tradition begründen. Er hatte auf dem Düsseldorfer Schlachthof einen Betrieb zur Nutzung und Produktion von Würsten erhalten. Diese selbst produzierten Leberwürste brachte er mit zu einer Versammlung und ließ seine Kameraden gerne teilhaben. Ich glaube, so was kann man als echte Kameradschaft verstehen!! Es wurde wohl ein gemütlicher Abend, der allen positiv im Gedächtnis blieb. Für ein paar Stunden mal die Sorgen vergessen und nicht hungrig ins Bett gehen zu müssen.

Ein bißchen auch ihm zu Ehren veranstaltete die Gesellschaft nun alljährlich auf der Versammlung nach dem Königsschießen dieses Leberwurstessen. Eine kleine Wurstauswahl mit Schwarz- oder Graubrot, waren auch damals schon einen tolle Sache und Essen auf einer Versammlung war alles andere als normal und üblich.

Viele Jahre blieb das so. Als unsere Schießwettbewerbe aber zusehends in die wärmeren Monate verlegt wurden, passte die Speise immer weniger zu den Temperaturen. Das brachte uns dazu, das Leberwurstessen nun fest in den November zu verlegen. Unabhängig vom Königsschießen, reduzierten wir den Inhalt unserer Novemberversammlung auf das Nötigste und luden im Anschluss unsere Frauen zum Essen dazu.

Die damalige Festkommission interpretierte das „Kompanie-Essen“ etwa zu Beginn der 2000’er Jahre dann neu. Zwar blieb die Überschrift „Leberwurstessen“ erhalten, doch gab es durchaus andere kulinarische Köstlichkeiten als Leberwurst. So ließen wir uns  z.B. Reibekuchen, oder ein Fondue – mehrere Feuerstellen waren in unserem Vereinslokal „Kräkel an der Börse“ verteilt – schmecken. Doch im Laufe der Jahre vermissten wir unsere gute, alte Leberwurst sehr.

Also … zurück zu den Wurzeln. Das hieß im nächsten Jahr: Feine, grobe und Pfälzerleberwurst mit Brot, Röggelchen und Gurken. Und so halten wir es bis heute.

Mittlerweile im „Schumacher auf der Oststraße“ beheimatet, halten wir an dieser Tradition gerne fest. Die Ansprüche wandeln sich und so komplettieren mittlerweile der sensationelle Kartoffelsalat des Hauses und ein frischer Radi „das Menü“!! Im Regelfall verbunden mit einer kleinen Tombola, mal auch nur garniert mit „guten Gesprächen“. Aber immer gepaart mit viel Gemütlichkeit.

Denn Essen und Trinken halten bekanntlich Leib und Seele zusammen.  So gut es uns heute auch geht, niemand in unserer Runde muß noch hungern, umso wichtiger ist es, diesen Ursprung zu kennen und weiter zu transportieren. Und wer weiß … vielleicht können wir ja schon bald ein Jubiläum feiern.

Schützen hebt die Büchs‘, Brüder spannt den Hahn – in diesem Fall lebe mal nicht St.Sebastian, sondern Willi Heimanns !        

Dieser war im Übrigen später 2.Hauptmann unter Ernst Schützendorf . Damals wohnten die Kameraden noch fast alle in der Altstadt …
So waren August Bähr und Willi Heimanns sogar Nachbarn in der Liefergasse. Ebenso waren Dieter Lang und Josef Arnold nicht nur echte Altstädter Jungs, sondern Spielkameraden und gute Freunde von klein auf !

Das sind die Geschichten hinter der Geschichte, die unsere Stadt, ihre Bürger, unser Brauchtum und unsere Vereine so bunt liebenswert machen.